Ausgerechnet ich als Astrologe behaupte, es gibt keine Sternzeichen? Ja! Und ich erkläre gerne, warum:
Wann waren Sie zum letzten mal in einer Moslemsynagoge?
Richtig: noch nie. Eine Moslemsynagoge gibt es schließlich nicht. Per Definition ist eine Synagoge immer ein jüdisches Glaubensgebäude. Eine Moslemsynagoge kann es daher genau so wenig geben wie eine Tastaturposaune oder Trockenregen. Mit den Sternzeichen verhält es sich ebenso.
Es ist ein Kunstwort, das aus den Begriffen Sternbild und Tierkreiszeichen zusammen gesetzt wurde.
Was ist ein Sternbild?
Ein Sternbild kennen Sie ganz bestimmt: den großen Wagen. Sternbilder sind also “Bilder”, die sich ergeben, wenn man die punktförmigen Sterne des Nachthimmels zu Figuren zusammen setzt. Beim großen Wagen fällt das vielleicht noch leicht, andere Bilder sind hingegen sehr kompliziert und nur der Fachmann kann sie am Himmel noch erkennen. Die Grundlage der Sternbilder sind demnach die Fixsterne (sie heißen so, weil sie, um Unterschied zu den Planeten, stets die gleiche Position am Himmel einnehmen, ihren Abstand zueinander also nicht verändern).* Sternbilder gibt es übrigens massenhaft. Auf der Zeichnung sehen Sie die Sternbilder Zwillinge und Orion. Sie sind jeweils unterschiedlich groß.
Was ist ein Tierkreiszeichen?
Astrologie hat mit den Sternbildern nicht viel zu tun. Unsere Arbeitsgrundlage ist vielmehr der Tierkreis mit den zwölf Tierkreiszeichen. Den Tierkreis kann man nicht am Himmel sehen. Ihn müssen Sie sich vorstellen wie ein großes gedachtes Band, was im All um die Erde herum gelegt ist. Das hat man sich nicht etwa willkürlich ausgedacht, sondern dieses Band ergibt sich, wenn man die Jahreslaufbahn der Erde um die Sonne am Himmel kennzeichnen würde. Das also ist der Tierkreis und er hat mit den Fixsternen gar gar gar nichts zu tun!
Den Tierkreis unterteilt man nun in zwölf gleich große Segmente und jedes einzelne Segment nennt man ein Tierkreiszeichen. Tierkreiszeichen gibt es begrenzt: nämlich nur zwölf. Sie sind alle gleich groß.
Zusammenfassend:
Sterbilder beziehen sich auf die sichtbaren Fixsterne.
Tierkreiszeichen beziehen sich auf die gedachte Tierkreisbahn.
Das Wort Sternzeichen taucht in all dem nicht auf; so wenig wie eine Moslemsynagoge auftaucht, wenn wir religiöse Gebäude beschreiben.
Doch umgangssprachlich gibt es sie ja, die Sternzeichen. Jeder kennt sein Sternzeichen und weiß, was der Gesprächspartner hören will wenn man fragt “Was bist du denn für ein Sternzeichen?” Die Antowrt, die dann gegeben wird, lautet zum Beispiel “Ich bin Sternzeichen Widder.”
Was ist damit genau gemeint?
Sie erinnern sich: der Tierkreis ergibt sich dadurch, dass die Erde um die Sonne kreist. Kriegen Sie das eigentlich mit, dass wir mit ca. 107.000 Stundenkilometern um die Sonne sausen? Nein. Wir haben den Eindruck, die Erde stünde still und so erscheint uns, dass nicht die Erde, sondern die Sonne sich bewegt. Von uns aus gesehen durchläuft also die Sonne dieses gedachte Band am Himmel, das wir Tierkreis nennen. Da die Sonne (respektive die Erde) sehr gleichmäßig läuft, befindet sich die Sonne von uns aus gesehen immer fast taggenau in den gleichen Abschnitten des Tierkreises; zwischen dem 21. März und 20. April eines Jahres eben im Abschnitt, den wir als ein zwölftel des Tierkreises Widder genannt haben. Wer also sagt: “Ich bin Widder”, sagt im Grunde genommen: “Bei meiner Geburt stand die Sonne im Tierkreiszeichen Widder.”
Das Sternzeichen beschreibt also, in welchem Tierkreiszeichen sich im Geburtsmoment die Sonne befand. Da es mit den Sternen, die wir am Himmel sehen können, nichts zu tun hat (Sie wissen ja: die Moslemsynagoge), vermeiden Astrologen diesen eigentlich völlig schrägen Begriff und sprechen nur vom Tierkreiszeichen. Achten Sie mal in den TeNo-Horoskopen darauf. Das Wort Sternzeichen taucht dort nie auf!
* Eigentlich tun sie es doch. Aber sie sind dabei soooo langsam, dass das ein Mensch in seinem Leben nicht bemerkt.























